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2 Stunden Leidenschaft - Enthusiasmus - Fanatismus Die sportliche und infrastrukturelle Entwicklung des SC Rheindorf Altach der letzten Jahre dürfte wohl jedem bekannt sein. Zwei Aufstiege in kürzester Zeit und drei tolle Jahre in der ersten österreichischen Liga gefolgt von einem bitteren Abstieg in die Zweitklassigkeit. Trotz dieses schmerzlichen Rückschrittes und großer Veränderungen des Kaders im letzten Sommer konnte man doch auch diese Saison bis zum Schluss mit sportlichen Höchstleistungen aufzeigen. Eindeutig ein Zeichen dafür, dass man einen sehr professionellen Verein hat, der verdientermaßen die Nummer 1 im Lande ist. Etwas von dem man als Stadiongänger wahrscheinlich weniger spricht ist jedoch der fantechnische Werdegang des SCRA.
Klein aber fein war der Beginn der Fanszene nach dem Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse 2006. Ein kleiner, buntgemischter Haufen Altachanhänger um die neu gegründeten Altach-Tigers begann beim Simmaständle für Stimmung im Altacher Schnabelholz zu sorgen. Nach dem Bau der Nord-Tribüne wurde beschlossen, dass Diese die neue Heimat des Fanclubs werden sollte. Aller Anfang ist bekanntlich schwer und nicht anders war es bei der jungen Fanszene. Eine langsame Weiterentwicklung gepaart mit immer wiederkehrender Kritik seitens anderer Stadiongänger was die Qualität und Lautstärke des Fanclubs anbelangt sorgten für internen Zweifel über das weitere Bestehen. Doch klasse Auswärtsfahrten, tolle Heimspiele und nicht zuletzt großartige Unterstützung einiger Personen im Umfeld des Vereins veranlasste den jungen Fanclub dazu weiterzumachen. Und es sollte sich lohnen. Spätestens in der zweiten Erstligasaison gesellten sich immer mehr Altacher Anhänger zum Fanclub und es wurde sowohl quantitativ als auch qualitativ zugelegt. In der ersten Bundesligasaison kamen mit den Nord Boys und den Indians noch zwei weitere Fanclubs zum Fanstamm hinzu. Die Stimmung wurde merklich besser und auch choreographie-technisch konnte schon das Eine oder Andere auf die Beine gestellt werden. Natürlich zog der sportliche Erfolg auch die einen oder anderen schwarzen Schafe an, doch im Großen und Ganzen war die Entwicklung durchaus positiv. Mit wachsender Größe stieg auch der organisatorische und finanzielle Aufwand. Doch einige wenige Personen im „Führungskreis“ der Fanclubs scheuten weder Kosten noch Mühen um die Fanszene voran zu treiben und vor allem die Mannschaft zu unterstützen. Wer nach dem Abstieg in die zweite Liga einen Rückschritt in Sachen Fanclubs erwartet hatte wurde schwer getäuscht. Im Gegenteil, so wurde der Fanstamm um die Supporting Patriots, die Black Army und die Ultras Altach erweitert. Höhepunkte wie die Bähnlefahrt nach Lustenau mit anschließender Riesenblockfahne, die Stimmung beim zweiten Heimsieg gegen Wacker Innsbruck und vieles mehr werden wohl nicht so schnell vergessen werden. Dies lässt annehmen, dass in Altach auch für die Zukunft auf eine starke und treue Fanszene verlass sein kann.
Neben der großteils positiven Entwicklung im Fanbereich, muss man auch kritikfähig sein. Die zwischenzeitlich aufkommende Mode Böller zu zünden, Feuerzeuge die in Richtung Tormann geworfen werden oder halbvolle Bierbecher die bei einem Tor quer über die Tribüne fliegen sind ganz klar zu verurteilen. Doch diese Aktionen werden von den Fanclubs nicht unterstützt. So wurden vor allem Böllerwerfaktionen fanclubintern geklärt und beseitigt. Solches zeugt ebenfalls von einer immer stärker werdenden Fankultur. Und es sollte beachtet werden: nicht alles was auf der Nord-Tribüne passiert, darf den Fanclubs zugeschoben werden!!! Eine Vielzahl der genannten Handlungen wird von Personen ausgeübt, die mit der Fanszene nichts zu tun haben. Und wie bereits erwähnt, mit steigender Qualität der Fanszene und Weiterentwicklung der Fankultur können auch die wenigen angesprochene Aktionen mit Sicherheit fanclubintern beseitigt werden.
Doch nicht nur die Fanclubs müssen kritikfähig sein. Auch der normale Besucher, der Sitzplatz- oder der Südtribünenfan darf sich an der Nase nehmen. Mit Kritik an den Fanclubs wird nicht gespart. Die gezündete Bengale beim Tor war unverantwortlich, die Stimmung war nicht zufriedenstellend, die Choreographie nicht einfallsreich genug. Doch in der 90. Minute aufzustehen, wenn die Fanclubs den passenden Schlachtgesang dazu anstimmen, ist zu viel verlangt. Um einen Pinsel in die Hand zu nehmen und einen Doppelhalter selber herzustellen, dafür fehlt die Zeit. Auf die Nord zu stehen und selber dafür zu sorgen, dass die Stimmung besser wird, kommt nicht in frage. Seltsamerweise findet man sich bei Auswärtsspielen wie in Innsbruck oder Lustenau neben einem dieser Fans wieder. Dort, nach dem fünften großen Bier, wird mitgeschreit. Auf einmal ist es möglich, eine Fahne in die Hand zu nehmen. Plötzlich ist man auch mit der Stimmung zufrieden. Zumindest bis zum nächsten Spiel. Bis man wieder auf der Süd steht, seinen Sitzplatz eingenommen hat, oder auf der Nord abseits der Fans steht und wieder unzufrieden ist mit dem, was die Fanszene dort veranstaltet.
Abschließend etwas zum Nachdenken: wenn jeder im Stadion, der gerne eine Stimmung wie in den großen Bundesligastadion hätte, zu den Fanclubs stehen und mitmachen würde anstatt zu hoffen, dass diese von selber kommt...?! (Anmerkung: Diejenigen die jetzt schon schreien bis sie heiser sind, tun sich schwer sich nochmals zu steigern).
Julian Altach-Tigers |